Augen in der dunklen Jahreszeit: Warum Herbst und Winter das Sehen fordern

Augen in der dunklen Jahreszeit: Warum Herbst und Winter das Sehen fordern

Wenn auf dem Weg zur Arbeit noch die Straßenlaternen brennen und am späten Nachmittag schon wieder, merken viele Menschen, dass ihre Augen anders gefordert sind als im Sommer. Die Umstellung kommt schleichend. Kurze Tage, trockene Heizungsluft und lange Stunden vor dem Bildschirm summieren sich, bis die Augen brennen, die Sicht in der Dämmerung unsicher wird oder abends ein dumpfer Kopfschmerz einsetzt. Dahinter steckt selten etwas Ernstes, meist aber ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die sich gut beeinflussen lassen.

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Heizungsluft setzt dem Tränenfilm zu

Die Augenoberfläche ist von einem hauchdünnen Tränenfilm überzogen. Er hält die Hornhaut glatt, versorgt sie mit Nährstoffen und sorgt dafür, dass das Bild scharf auf der Netzhaut ankommt. Sobald die Heizperiode beginnt, sinkt die Luftfeuchtigkeit in Wohnungen und Büros oft unter 40 Prozent. Der Tränenfilm verdunstet dann schneller, als er nachgebildet wird. Brennen, ein Gefühl wie Sand im Auge oder gerötete Lider sind die typische Folge. Das Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums nennt trockene Luft, Heizlüfter und Zugluft als häufige Auslöser für trockene Augen.

Gegensteuern lässt sich mit einfachen Mitteln: mehrmals täglich stoßlüften, Wasserschalen an die Heizkörper hängen und den Schreibtisch nicht direkt in den warmen Luftstrom stellen. Wer viel am Rechner sitzt, sollte bewusst blinzeln, denn beim konzentrierten Blick auf den Monitor sinkt die Lidschlagfrequenz merklich. Hält ein trüber Eindruck länger an, lohnt es sich nachzulesen, warum sich manchmal ein Schleier vor die Augen legt und ab wann das ärztlich abgeklärt werden sollte.

Dämmerung verändert die Sehleistung

Bei schwindendem Licht schaltet das Auge schrittweise von den Zapfen, die für Farben und Schärfe zuständig sind, auf die lichtempfindlicheren Stäbchen um. Die Kontrastwahrnehmung lässt nach, die Pupille weitet sich. Dadurch nimmt die Tiefenschärfe ab, und kleine Fehlsichtigkeiten, die tagsüber kaum auffallen, machen sich plötzlich bemerkbar. Hinzu kommt die Blendung durch Scheinwerfer, besonders auf nasser Fahrbahn. Mit zunehmendem Alter braucht das Auge außerdem länger, um sich von einer solchen Blendung zu erholen.

Wie ernst das Thema ist, zeigen Zahlen aus dem Straßenverkehr. Einer Auswertung des ADAC zufolge, die sich auf Daten des Statistischen Bundesamts stützt, starben 2022 rund 30 Prozent aller Verkehrstoten bei Dämmerung oder Dunkelheit. Ein dunkel gekleideter Fußgänger ist demnach bei schlechter Sicht erst aus etwa 25 Metern zu erkennen.

Wann ein Sehtest sinnvoll ist

Wer bemerkt, dass Verkehrsschilder abends später lesbar werden oder Lichter auffällig stark streuen, sollte die eigene Sehstärke überprüfen lassen. Fehlsichtigkeit verändert sich oft so langsam, dass man sie selbst kaum wahrnimmt. Einen Sehtest bieten neben augenärztlichen Praxen auch viele Optiker wie eyes + more kostenlos an. Dort lässt sich zugleich klären, ob entspiegelte Gläser die Blendung bei Nachtfahrten verringern können. Treten Blendempfindlichkeit oder verschwommenes Sehen dagegen neu und deutlich auf, gehört das in augenärztliche Hände, da etwa eine beginnende Linsentrübung dahinterstecken kann.

Licht und Bildschirm im Alltag

Weniger Tageslicht wirkt sich nicht nur auf die Stimmung aus. Wer im Herbst kaum noch ins Freie kommt, schaut den Großteil des Tages auf Distanzen unter einem Meter: Smartphone, Laptop, Buch. Die Augenmuskulatur bleibt dabei dauerhaft angespannt. Ein Spaziergang in der Mittagspause bringt gleich doppelten Nutzen, denn der Blick in die Ferne entspannt den Ziliarmuskel, und das Tageslicht stabilisiert den Schlaf-Wach-Rhythmus. Am Arbeitsplatz hilft eine gleichmäßige Raumbeleuchtung, die nicht deutlich dunkler ist als der Monitor. Starke Helligkeitsunterschiede zwingen die Pupille zu ständiger Anpassung und machen die Augen schneller müde.

Was Ernährung und Trinken beitragen

Auch von innen lässt sich etwas tun. Vitamin A wird für die Bildung des Sehpurpurs in den Stäbchen gebraucht, ein echter Mangel ist in Mitteleuropa allerdings selten. Omega-3-Fettsäuren aus Leinöl, Walnüssen oder fettem Seefisch werden mit einem stabileren Tränenfilm in Verbindung gebracht, wobei die Studienlage nicht ganz einheitlich ist. Grünes Blattgemüse wie Grünkohl, der jetzt Saison hat, liefert Lutein und Zeaxanthin, die sich in der Makula anreichern. Und weil warme Heizungsluft dem ganzen Körper Feuchtigkeit entzieht, darf die Wasserflasche auf dem Schreibtisch auch im Winter nicht fehlen. Ein Glas mehr am Nachmittag merken nicht nur die Schleimhäute, sondern oft auch die Augen.

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